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18. März 2020
Corona-Krise - update

Der Ausverkauf geht (vorerst) weiter

Wie leider zu befürchten war, geht der Ausverkauf an den Börsen unvermindert weiter. Das hat vor allem mit der sehr grossen Unsicherheit zu tun. Eine Pandemie in diesem Ausmass haben wir  in der modernen Geschichte noch nie gesehen, entsprechend kann man heute kein Zukunftsszenario modellieren. Und bekanntlich hasst die Börse nichts mehr als Unsicherheit!

Ich versuche mal, die Börsenereignisse etwas einzuordnen. In der ersten Phase eines Kurssturzes wird jeweils querbeet liquidiert. Anleger, die auf Kredit gekauft haben und diejenigen, die die Nerven verlieren sind die ersten Verkäufer. Hinzu kommen Fonds, ETF und ähnliches,  die abstossen müssen, weil die Investoren ihre Anteile zurückgeben. Nach einer dermassen langen Hausse ist wenig erstaunlich, dass dieses Volumen sehr gross ist und damit auch die Kursverluste.

Wie lange diese Phase noch dauert, kann man nicht abschätzen. Es wird auf jeden Fall massive Erholungsphasen geben, gefolgt von schweren Kursstürzen. Die allgemeine Tendenz ist zwei Schritte zurück, ein Schritt vor.

Revidierte Jahresprognosen

Irgendwann in den nächsten Monaten kommen dann die Schadensmeldungen aus der Unternehmenswelt. Will heissen, dass die Unternehmen ihre revidierten Jahresprognosen abgeben werden. Dann wird es interessant. Das wird Überraschungen geben, sowohl positive wie auch negative. Einige Unternehmen werden in existenzielle Schwierigkeiten geraten, andere werden sich überraschend gut halten.

Erst dann kann man abschätzen, ob die Aktien auf den dannzumaligen Niveaus korrekt bewertet sind. Es wird sich ein erster Konsens bilden. Kommen die Marktteilnehmer zum Schluss, dass alles noch viel schlimmer ist als befürchtet, wird der Ausverkauf weitergehen. Ansonsten könnte eine heftige Gegenbewegung einsetzen.

 

Die grosse Unbekannte

Die grosse Unbekannte ist, wie die Banken durch diese Krise kommen werden. Wir werden bald einmal sehen, was all die schönen Stresstests wert waren. All die eloquenten Beteuerungen, wie gut man heute aufgestellt sei. Ich habe dasselbe schon einmal gehört. Auch 2007 tönte es ähnlich, wir alle wissen wie es dann herauskam.

Wäre die Corona-Krise auf ein gesundes monetäres Umfeld getroffen, könnte man bereits heute grossflächig zukaufen. Doch leider haben die Notenbanken bzw. die politische Elite, die Welt mit Krediten regelrecht verseucht. Die völlig unverantwortliche Zinspolitik, der ungehemmte Kauf von Staatsanleihen, das Fluten der Märkte mit Liquidität hat mit praktisch 100% Sicherheit zu Blasen geführt. Blasen die man heute noch gar nicht kennt. Diese Blasen befinden sich irgendwo in den Bilanzen der Finanzinstitute.

Wenn ich mir als Beispiel die Credit Suisse anschaue, dann beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Die sind ganz zuvorderst bei der Finanzierung von in dieser Krise besonders gefährdeten Bereichen: Der US-amerikanischen Frackingindustrie, der Finanzierung von Flugzeug-Leasinggesellschaften und selbstverständlich auch in Italien.
Zudem haben sie in den letzten Jahren ihre Vermögensverwaltungskunden dazu animiert, im grossen Stil mit Krediten Wertpapiere zu kaufen (OK, wer da mitgemacht hat, ist selber schuld, aber das ist ein anderes Thema). Dies alles mit einer Eigenkapitalquote von 5.5%!

Das ist nur ein Beispiel, aber es ist zu befürchten, dass viele, wenn nicht die meisten mittleren und grossen Finanzhäuser dieser Welt ähnlich dastehen.

Sollte ein grosses Bankhaus in Schieflage geraten, könnte das Finanzsystem abermals vor dem Abgrund stehen. Ob es erneut gerettet werden könnte, so wie in 2009, steht in den Sternen. Wie es dann mit den Aktienmärkten weitergehen würde, weiss niemand. Aber das wäre dann unsere geringste Sorge.

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Szenario eintrifft? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Aber die Gefahr ist real.

Sollten jedoch all die Notenbanken-Theoretiker recht behalten, dann wird das Finanzsystem dem Stress standhalten. In diesem Fall dürfte der Boden so in 2-3 Monaten erreicht sein und man könnte mit grösseren Summen einsteigen. Stand heute ist das für mich das wahrscheinlichere Szenario. Allerdings könnte sich das schnell ändern. Man muss die Situation von Woche zu Woche neu beurteilen.

 

Dividendenkürzungen

So oder so werden wir eine schwere Rezession durchlaufen, das ist praktisch unumgänglich. Die meisten Unternehmen werden deutliche Ertragsrückgänge hinnehmen müssen. Das heisst, Sie müssen sich auf  Dividendenkürzungen auf breiter Front einstellen. Auch Aktien mit einem A-Rating werden davon betroffen sein.

Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, das gehört einfach dazu. Bei guten Firmen wird das ein vorübergehender Zustand sein. Irgendwann werden wir die Krise überwunden haben, die Dividenden werden wieder erhöht.

 

 

Sind wir schon auf Kaufkurse gefallen?

Für Anleger mit einem sehr langen Zeithorizont sind bereits interessante Gelegenheiten entstanden. Allerdings würde ich heute auf gar keinen Fall das ganze Pulver bzw. Cash verschiessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch weiter runtergeht, ist doch recht gross.

Ich verweise hier zudem auf meinen Tipp den ich immer gebe. Erstellen Sie eine Liste mit denjenigen Aktien die Sie schon lange kaufen wollten, die aber bisher zu teuer waren.

Die sollte nicht mehr als 20-25 Titel umfassen. Halten Sie bei jeder Aktie schriftlich fest, ab wann Sie zukaufen werden. Ziehen Sie diesen Plan durch, egal was kommt.

Denken Sie daran, den Tiefpunkt werden Sie ohnehin nie treffen. Und wenn, dann ist es reiner Zufall. Egal wann Sie einsteigen, Sie werden in nächsten Monaten noch viel Nerven und Durchhaltewillen brauchen. Aber es wird sich lohnen.

Und zwar auch dann, wenn unser Finanzsystem kippen sollte. Dann dauert es zwar wesentlich länger bis zur Normalisierung. Aber an den Bedürfnissen der Menschen wird sich nichts ändern.

Wir benötigen auch weiterhin Brillen, mechanische Teile müssen auch weiterhin geschmiert werden, wir müssen irgendwo wohnen usw. und so fort. Irgendjemand wird diese Bedürfnisse befriedigen und diejenigen, die das am besten machen, werden gutes Geld verdienen. Und deren Aktionäre werden langfristig profitieren.

Die Welt hat schon ganz andere Katastrophen überstanden. Auch das Corona-Virus und seine Auswirkungen werden wird überwinden!

 

Bleiben Sie gesund, das ist das Wichtigste!

Ihr Christian Pickel